Ostseebad Kühlungsborn

Freizeit- und Studienfahrt ins Ostseebad Kühlungsborn

vom 19. – 26.04.2015

Das Ostseebad Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern war noch einmal das Ziel unserer Freizeit- und Studienfahrt mit Pfarrer Sonnenberg. Die Koffer, bereits Samstag im Café Forum abgegeben, werden Sonntag früh samt „Reiseklavier“ eingeladen und um 7.10 Uhr startet Fahrer Arno den Gössling-Reisebus Richtung Ostsee. Begrüßt und eingestimmt auf die Reise werden wir mit einem „Wort zum Sonntag“. Einige der Teilnehmer kennen das Hotel bereits durch einen Aufenthalt vor vier Jahren, aber inzwischen sind wesentliche Veränderungen vorgenommen worden, was unsere Spannung erhöht. Das Ostseebad Kühlungsborn entstand 1938 durch die Vereinigung der Orte Brunshaupten (Ost), Fulgen und Arendsee (West). Drei fliegende Möwen im Stadt- wappen symbolisieren die drei einst selbständigen Orte. Bei der Namensgebungstanden das nahe Waldgebiet „Kühlung“ und der Bach „Cubanze“ (d.h. slawischBorn) Pate.

Kühlungsborn Strand

Deutschlands längste Strandpromenade (3.150 m) verbindet die Stadtteile. Charakteristisch für das Seebad sind die anfangs des 20. Jh. im Stil der so genannten Bäderarchitektur gebauten Pensionen und Villen. Ältester Bau des Ortes ist die heutige katholische Kirche, einst die Dorfkirche von Brunshaupten. 1877 wurde für den Ort der erste Badeprospekt veröffentlicht und nur fünf Jahre später erfand der ortsansässige Korbmacher Wilhelm Bartelmann hier den ersten Strand. Nach zwei Pausen in der Nähe von Vechta und Hamburg erreichen wir gegen15.00 Uhr das Europa-Hotel in Kühlungsborn. Die Zimmerkarten (Schlüssel) für Hotel und Dependance sind an der Rezeption schnell verteilt, und uns bleibt freie Zeit bis 17.45 Uhr, dann wird uns die Hotelleitung begrüßen und um 18.00 Uhr beginnt das Abendessen. Dank Tischkarten finden sich die jeweiligen Tischgruppen zusammen. Jeden Abend erwartet uns ein reichhaltiges Buffet mit Suppe, diversen Vorspeisen und Salaten, Fisch, Fleisch, Gemüse und Kartoffeln/Nudeln/Reis sowie süße Nach- Speisen und Obst. Das Frühstückbuffet, von 7.30 – 10.00 Uhr, ist ebenfalls üppig und vielseitig, sodass die Wahl fast eine Qual ist.

Rostock

Montag starten wir um 10.00 Uhr mit dem Bus, begleitet von einem örtlichen Reiseleiter, Herrn Nörenberg, über Heiligendamm und Bad Doberan nach Rostock. Die slawische Burg Roztoc wurde anlässlich ihrer Zerstörung im 12. Jh. durch einen Dänenkönig erstmals erwähnt. Um 1200 siedelten hier deutsche Handwerker und Kaufleute. Die Zugehörigkeit zur Hanse brachte Reichtum, im 15. Jh. wurde die Universität als erste im gesamten Ostseeraum eröffnet, im 17. Jh. wütete ein Brand in der mittlerweile verarmten Stadt. Während des Dritten Reiches war Rostock Schwerpunkt der deutschen Rüstungsindustrie für U-Boot- und Flugzeugbau. Unsere Führung beginnt am Neuen Markt, den schöne Giebelhäuser umstehen. Blickfang ist das Rathaus aus dem 18. Jh. mit seiner filigranen Türmchenfront und barockem Vorbau. Den Kern bilden zwei Giebelhäuser, die bereits im 13. Jh. Sitz der Stadtverwaltung waren. Die Marienkirche kündet als bedeutendster Rostocker Sakralbau vom Reichtum und Wohlstand der Hanse, denn das Handelspatriziat stellte am Ende des14. Jh. die Gelder für Wiederaufbau und Vollendung einer älteren, eingestürzten Hallenkirche zur Verfügung. Vorbild war, wie beim Rathaus, die Lübecker Marienkirche. Mitte des 15. Jh. war die dreischiffige Basilika mit Querhaus, Kapellenkranz und Chorumgang schließlich fertig. Absolut sehenswert ist die Innenausstattung, wie z. B. die 1290 gefertigte fast drei Meter hohe Bronzetaufe, der Rochusaltar, die Renaissance-Kanzel und der grandiose Kanzelprospekt mit Fürstenloge. Besonders sehenswert ist die weltberühmte astronomische Uhr, die im 15. Jh. in Nürnberg gefertigt wurde. Sie ist die älteste Uhr der Welt, die noch mit Originaluhrwerk arbeitet. Auf zwei Zifferblättern werden Jahr, Monat, Tag, Stunde, Sonnen- und Mondphasen sowie die Tierkreiszeichen angezeigt. Zentrum der Neustadt ist der Universitätsplatz, nahe der Haupteinkaufsmeile.

Mitten auf dem Platz sprudelt der Brunnen der Lebensfreude (1980), eine Komposition aus ineinander verschlungenen Tier- und Menschenleibern. Unweit der Universität bietet das Kloster zum Heiligen Kreuz ein stilles Refugium. Die Gründung des Zisterzienserinnenklosters im 13. Jh. erfolgte auf Initiative der dänischen Königin .Seit der Reformation bis zur Auflösung 1920 kamen hier ledige Töchter reicher Rostocker unter. Eine kurze Fahrt mit dem Bus bringt uns nach Warnemünde, „Rostocks schöne Tochter“ oder „der zweite Hafen von Rostock“. Gekauft wurde das kleine Dorf im 14. Jh., um sich den direkten Zugang zur Ostsee zu sichern. Am Alten Strom haben wir Zeit zum Essen, Shoppen oder Relaxen. Nach der Pause fahren wir zurück nach Kühlungsborn – es war ein anstrengender, aber schöner Tag. Nach dem Abendessen treffen wir uns im „Paradiesgarten“ zu einer Andacht, wir singen und hören von den vielseitigen Eindrücken des Tages.

Doberan

Dienstag ist unser „freier Tag“. Ausflugsmöglichkeiten gibt es viele: Fahrt mit dem Bäder-Express, Strandspaziergang, mit der Molli nach Heiligendamm und Doberan oder mit dem Schiff nach Warnemünde.

Mittwoch – Überraschung. Die Fahrt nach Fischland kann nicht stattfinden: Außenspiegel vom Bus und Straßenlaterne hatten eine „zu intime Berührung“ und ohne zwei Außenspiegel keine Busfahrt! Also plant jeder sein eigenes Programm und keiner klagt bei dem sonnigen Wetter über Langeweile.

Lübeck

Donnerstag – unser Bus ist repariert und wir fahren nach Lübeck. Für uns ganz ungewohnt: es ist neblig und erst später zeigt sich die Sonne. Treffpunkt mit den örtlichen Reiseleitern ist das Holstentor. In zwei Gruppen aufgeteilt gehen wir auf den Stadtrundgang. – Liubice, die Liebliche, war der Name einer wendischen Siedlung im 9. Jh. am Unterlauf der Trave. Diese wurde Anfang des 12. Jh. zerstört, aber etwas weiter Fluss aufwärts wieder aufgebaut. Wenig später gründete Heinrich der Löwe die Stadt neu, und zwar auf einer von den Wassern der Trave und Wakenitz gebildeten Insel. Lübeck wurde Bischofssitz, erhielt bald besondere Handelsprivilegien und wurde im 13. Jh. zur „reichsfreien Stadt“ mit Münzrecht ernannt. Um den zunehmenden Ostseehandel zu schützen, schlossen sich Mitte des 14. Jh. mehr als 200 Städte im Norden zur Deutschen Hanse zusammen. Hauptaufgabe: Schutz der Handelswege gegen Übergriffe von Piraten mit militärischer Gewalt.

Lübeck nahm bald die führende Rolle als „Königin der Hanse“ ein. Mit der Entdeckung Amerikas im 15. Jh. begann das Ende dieser Blüte. Das Wahrzeichen der Stadt ist das im15. Jh. errichtete Holstentor. Der Schriftzug über dem Torbogen bedeutet: “Eintracht drinnen, draußen Frieden.“ Rechts hinter dem Tor stehen die Salzspeicher, sechs schmale im 16. – 18. Jh. erbaute Giebelhäuser. Hier wurde das „weiße Gold“, das aus Lüneburg, später aus Spanien und Portugal, eingeführt wurde, zwischengelagert, bevor es nach Skandinavien weiterverkauft wurde. Auf dem Marktplatz beeindruckt das im 13. Jh. über Eck gebaute Rathaus mit eleganten Arkadengängen. Die Südfassade wurde als Schauwand mit drei Türmchen und zwei großen Windlöchern konzipiert. Im rechten Winkel schließt sich das auf Rundbögen ruhende Lange Haus an, das wegen seines Tanzsaales im ersten Stock auch „Danzelhaus“ genannt wird.

Ganz in der Nähe steht das bekannte Marzipanhaus und Café Niederegger. In einer Ausstellung wird u. a. gezeigt, wie das Rezept für das süße marci panis, das „Brot des Markus“, vor mehr als 400 Jahren aus dem Vorderen Orient über Venedig nach Lübeck kam. Nach der Führung trifft sich die Gruppe auf dem Markt und es bleibt freie Zeit bis zur Abfahrt vom Holstentor. Es war wieder ein erlebnisreicher Tag, aber Kopfsteinpflaster ist sehr ermüdend und auf der Rückfahrt dämmern die meisten still vor sich hin.

Fischland

Freitag geht es nun endlich nach Fischland/Darß/Zingst. In Rostock nehmen wir unsere Reiseleiterin, Frau Laban, auf und über Ribnitz-Damgarten geht es auf die 60 Kilometer lange Halbinsel mit ihren sanft geschwungenen Boddenbuchten, weißen Sanddünen, weiten Wiesen und verstreuten Häusergruppen. Festland, Fischland und Darß wuchsen bereits im 14.Jh. zusammen, der Zingst hingegen führte noch bis ins 19. Jh. ein Inseldasein. - Die erste Pause machen wir in Wustrow, das im 8. Jh .aus einer slawischen Gründung hervorging und heute an der schmalsten Stelle zwischen Ostsee und Bodden liegt. Die geduckten Kapitänshäuser stammen aus der Zeit, als sich der alte Seefahrerort auf dem Höhepunkt seines Wohlstands befand. - Wenige Kilometer weiter liegt Ahrenshoop mit seinem Steilufer und idyllischen Wiesen hinter den Dünen. Die einstige Künstlerkolonie hat von allen Orten auf der Halbinsel am meisten zu bieten. – In einer Bucht des Koppelstroms liegt Born. Blickfang sind hier die bunten Bauern- und Kapitänshäuser mit ihren geschnitzten Haustüren und den abgewalmten, tief heruntergezogenen Schilfdächern. Während die Giebelzeichen Aufschluss über den Beruf ihrer früheren Bewohner geben, waren die häufigen Sonnenzeichen auf den Türen ein Willkommensgruß für die heimkehrenden Seefahrer. – Der Darßer Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft.

Das Ostseebad Prerow hat den größten und feinsten Sand- strand der Halbinsel, der z. T. durch den Darßer Wald windgeschützt ist. Der Prerow-Strom trennte einst den Darß von der Insel Zingst, bis 1874 die Ostsee- mündung zugeschüttet wurde. Seither ist der Strom ein stillgelegter Wasserarm. – Zingst, hier machen wir unsere Mittagspause, ist der größte Urlaubstreff der Halbinsel. Auf dem Friedhof hinter der Dorfkirche befindet sich das Grab der Heimatdichterin Martha Müller-Grählert, die 1908 mit dem Liedtext „Wo die Ostsee- wellen trecken an den Strand“ im norddeutschen Raum bekannt wurde. Entlang der alten Eisenbahnstrecke Zingst – Barth verlassen wir die Halbinsel und fahren zurück nach Kühlungsborn.

Rerik

Am Samstag, dem letzten Tag unserer Reise, besuchen wir zunächst die evangelische Kirche im Ort. Eine zufällig anwesende Studentin begrüßt uns mit einem Orgelvorspiel und Pfarrer Sonnenberg hält eine kurze Andacht. Es bleibt Zeit zur Besichtigung der Kirche, dann geht es weiter ins Ostseebad Rerik, das durch einen Irrtum zu seinem Namen kam: Nahe der Küste wurden Reste eines Burgwalls ausgegraben. Das führte zur Vermutung, an dieser Stelle habe sich der früh- mittelalterliche Handelsplatz Reric befunden, sodass Alt Garz bei der Erhebung zur Stadt 1938 den Namen Rerik erhielt. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die frühgotische Kirche, die leider nicht geöffnet war. In solchen am Ostseeufer stehenden Kirchen wurde noch vor 200 Jahren gebetet, der Herr möge den Strand segnen. Das hieß, er solle viele Schiffe stranden lassen, damit die Ladung als Strandgut in die Hände der Einheimischen fiel. 1777 untersagte Herzog Friedrich „der Fromme“ diese „verwerflichen“ Gebete. – In der Erlebnisräucherei hören wir von Herrn Scheller, der einigen schon bekannt ist, wann, wo, wie und welche Fische dort gefangen werden. Für uns als Kostprobe werden Dorsch und Seehase geräuchert. Anschließend spazieren wir zum Hafen, und als Überraschung machen wir eine zweistündige Fahrt auf dem Salzhaff mit der „Ostseebad Rerik“. Leider kommen immer wieder Regenschauer, aber bei Kaffee und Sahnetorte lässt es sich gut aushalten. Gegen 17.00 Uhr sind wir wieder im Hotel . Um 18.00 Uhr ist das Büffet für uns bereit, und um 19.00 Uhr treffen wir uns noch einmal im „Paradiesgarten“. Wir blicken zurück auf eine sonnige Woche, in der wir viele neue Eindrücke gewonnen und bisher Fremdes kennengelernt haben. Wir danken dem Ehepaar Sonnenberg, die wieder alles bestens geplant und organisiert hatten, die alles mitgemacht haben und stets ansprechbereit waren.

Am Abreisetag können wir ab 7.00 Uhr frühstücken, die Koffer stellen wir auf den Flur. Gut gestärkt und nach einem letzten Blick auf die Ostsee starten wir um 8.30 Uhr Richtung Heimat. Die Fahrt wird unterbrochen durch zwei Pausen und verlängert durch einen fast zweistündigen Stau wegen eines Unfalls. Wohlbehalten und gut erholt treffen wir gegen 17.00 Uhr an der Apostelkirche ein. Hilfreiche Hände erwarten uns bereits. Zügig wird das Gepäck ausgeladen, der mitgebrachte Fisch verteilt, ein allgemeines „Auf Wiedersehen“ und alle streben heimwärts.

Bleiben Sie gesund! „Glück auf“, bis zum nächsten Jahr auf Norderney!?

Ilse Perlebach